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WHS vs. altes Vorgabensystem: Was sich geändert hat

Aktualisiert am 30. Juli 2026 · Timo Gede

Der Kernunterschied: Im alten Vorgabensystem wurde deine Stammvorgabe nach jeder Runde in kleinen Schritten nach oben oder unten korrigiert – im World Handicap System (WHS) wird dein Handicap-Index nach jeder Runde komplett neu berechnet, als Durchschnitt der besten 8 deiner letzten 20 Runden. Aus einem fortgeschriebenen Wert wurde damit ein rollierender Leistungsdurchschnitt. Deutschland hat zum 1. Januar 2021 umgestellt.

So funktionierte das alte System

Maßgeblich war die Stammvorgabe. Nach jeder vorgabenwirksamen Runde wurde geprüft, ob dein Ergebnis in einem festgelegten Bereich um die eigene Vorgabe lag (der sogenannten Puffer-Zone). Darunter kam ein kleiner Zuschlag hinzu, darüber wurde die Vorgabe je Punkt über dem Sollwert abgesenkt – wie stark, hing von deiner Vorgabenklasse ab. Deine Vorgabe war also eine Art Konto, das Runde für Runde belastet oder gutgeschrieben wurde. Die genauen Stufen und Puffergrenzen standen in der DGV-Vorgabentabelle.

So funktioniert das WHS

Im WHS gibt es kein Konto mehr. Jede vorgabenwirksame Runde wird zuerst platzunabhängig gemacht:

Score Differential = (Score − Course Rating) × 113 / Slope

Die 113 ist der mittlere Slope-Wert; dadurch wird eine Runde auf einem schweren Platz mit einer auf einem leichten vergleichbar. Aus deinen letzten 20 Differentials wird dann der Index gebildet:

Handicap-Index = Durchschnitt der besten 8 der letzten 20 Score Differentials

Kommt eine neue Runde hinzu, fällt die 21. hinten heraus und der Index wird vollständig neu gerechnet. Den Rechenweg Schritt für Schritt zeigt Handicap-Index berechnen, die Einzelrunde erklärt Score Differential berechnen.

Die Unterschiede in der Übersicht

MerkmalAltes VorgabensystemWHS (seit 2021)
KennzahlStammvorgabeHandicap-Index (eine Nachkommastelle)
BerechnungFortschreibung: Zuschlag oder Abzug je RundeNeuberechnung: Durchschnitt der besten 8 von 20
Bezugsgröße pro RundeErgebnis gegen die eigene Vorgabe (Puffer-Zone)Score Differential gegen Course Rating und Slope
Reaktion auf eine gute RundeVorgabe sinkt sofort um einen festen BetragIndex sinkt, wenn die Runde in die besten 8 rutscht
Reaktion auf eine schlechte Rundekleiner Zuschlag, Vorgabe verschlechtert sich direktkeine direkte Verschlechterung – sie verdrängt aber eine alte Runde
Vergleichbarkeitnational geregeltweltweit einheitlich
AktualitätAnpassung je RundeIndex wird laufend, in der Regel täglich, aktualisiert

Warum eine schlechte Runde heute weniger wehtut

Das ist der Unterschied, der im Alltag am meisten auffällt: Früher kostete jede Runde außerhalb des Puffers direkt Vorgabe. Im WHS landet eine schwache Runde einfach auf Platz 9 bis 20 deiner Liste und bleibt dort ohne Wirkung. Verschlechtern kann sie deinen Index nur indirekt – nämlich dann, wenn sie eine gute Runde aus dem 20er-Fenster schiebt, die bisher zu den besten 8 gehörte. Umgekehrt heißt das: Wer viele Runden einreicht, hat ein aktuelleres und meist gerechteres Handicap. Zusätzlich kennt das WHS Schutzmechanismen gegen zu schnelle Ausschläge (Soft Cap und Hard Cap) sowie eine Anpassung für außergewöhnliche Platz- und Wetterverhältnisse (PCC); die Details regelt der DGV.

Index und Spielvorgabe sind jetzt zwei Dinge

Im alten System war die Stammvorgabe der Wert, mit dem gespielt wurde – die Umrechnung auf den Platz kam erst später hinzu. Im WHS ist die Trennung fest eingebaut: Der Index beschreibt dein Spielniveau, die Spielvorgabe den konkreten Platz und Abschlag.

Course Handicap (Spielvorgabe) = Runden(Index × Slope / 113 + (CR − Par))

Auf einem schweren Platz bekommst du dadurch mehr Schläge als auf einem leichten – mit demselben Index. Was das praktisch bedeutet, erklärt Course Handicap vs. Handicap-Index; beide Werte rechnet der Handicap-Rechner direkt aus.

Was außerdem neu ist

Was gleich geblieben ist

Ein niedrigeres Handicap ist weiterhin das bessere, der höchste Wert bleibt 54,0, gespielt wird weiter nach den Golfregeln mit Zähler, und die Runde muss vorher als vorgabenwirksam angemeldet sein. Auch die Stableford-Wertung im Turnier ist unverändert: 2 Punkte für ein Netto-Par, 0 ab dem Netto-Doppelbogey.

Hinweis: Diese Erklärung ist inoffiziell und bewusst vereinfacht. Verbindlich für dein Handicap sind die Vorgabenbestimmungen des DGV und die Führung durch deinen Heimatclub.

Handicap-Index nach WHS berechnen
Handicap-Index nach WHS berechnen →

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen WHS und dem alten Vorgabensystem?

Im alten System wurde die Stammvorgabe nach jeder Runde in Stufen nach oben oder unten korrigiert. Im WHS wird der Handicap-Index nach jeder Runde neu berechnet – als Durchschnitt der besten 8 Score Differentials aus den letzten 20 Runden.

Seit wann gilt das WHS in Deutschland?

Das World Handicap System gilt in Deutschland seit dem 1. Januar 2021 und hat das bis dahin genutzte Vorgabensystem mit der Stammvorgabe ersetzt.

Verschlechtert eine schlechte Runde mein Handicap im WHS?

Nicht direkt. Eine schwache Runde zählt nur, wenn sie unter den besten 8 der letzten 20 landet – das ist praktisch nie der Fall. Sie kann den Index aber indirekt anheben, indem sie eine gute Runde aus dem 20er-Fenster verdrängt.

Ist die Stammvorgabe dasselbe wie der Handicap-Index?

Nein. Die Stammvorgabe war ein fortgeschriebener Wert des alten Systems. Der Handicap-Index ist ein Leistungsdurchschnitt und wird für jeden Platz erst über die Spielvorgabe in Schläge umgerechnet.