Handicap berechnen: Beispiel mit 20 Runden
Der Handicap-Index ist der Durchschnitt der besten 8 aus den letzten 20 Score Differentials. Du rechnest also erst für jede Runde ein Differential aus, sortierst die 20 Werte aufsteigend, nimmst die acht niedrigsten und bildest deren Mittelwert. Dieser Beitrag rechnet den kompletten Weg an einem Beispiel durch – vom ersten Score bis zum fertigen Index von 15,8.
Score Differential = (Score − Course Rating) × 113 / Slope
Handicap-Index = Durchschnitt der besten 8 der letzten 20 Score Differentials
Schritt 1: Die beiden Plätze im Beispiel
Unser Beispielspieler spielt auf zwei Anlagen. Course Rating und Slope stehen für jeden Abschlag auf der Scorekarte – sie sind die einzigen Platzdaten, die ins Differential eingehen:
| Platz | Course Rating | Slope | Par |
|---|---|---|---|
| Platz A (Heimatclub) | 71,4 | 130 | 72 |
| Platz B (Nachbarclub) | 69,8 | 121 | 71 |
Das Par taucht in der Differential-Formel nicht auf – es wird erst später für die Spielvorgabe gebraucht. Was die beiden Werte bedeuten, erklären Course Rating einfach erklärt und Slope-Wert einfach erklärt.
Schritt 2: 20 Runden, 20 Differentials
Für jede Runde gilt dieselbe Rechnung. Beispiel Runde 1: (95 − 71,4) × 113 / 130 = 23,6 × 113 / 130 = 20,51… und auf eine Nachkommastelle gerundet 20,5. So entstehen alle 20 Werte:
| Runde | Platz | Score | Score − CR | Differential | Beste 8 |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | A | 95 | 23,6 | 20,5 | |
| 2 | A | 92 | 20,6 | 17,9 | ✓ |
| 3 | B | 90 | 20,2 | 18,9 | |
| 4 | A | 98 | 26,6 | 23,1 | |
| 5 | A | 91 | 19,6 | 17,0 | ✓ |
| 6 | B | 88 | 18,2 | 17,0 | ✓ |
| 7 | A | 94 | 22,6 | 19,6 | |
| 8 | A | 89 | 17,6 | 15,3 | ✓ |
| 9 | B | 93 | 23,2 | 21,7 | |
| 10 | A | 96 | 24,6 | 21,4 | |
| 11 | A | 90 | 18,6 | 16,2 | ✓ |
| 12 | B | 86 | 16,2 | 15,1 | ✓ |
| 13 | A | 99 | 27,6 | 24,0 | |
| 14 | A | 93 | 21,6 | 18,8 | |
| 15 | B | 91 | 21,2 | 19,8 | |
| 16 | A | 88 | 16,6 | 14,4 | ✓ |
| 17 | A | 97 | 25,6 | 22,3 | |
| 18 | B | 92 | 22,2 | 20,7 | |
| 19 | A | 93 | 21,6 | 18,8 | |
| 20 | A | 87 | 15,6 | 13,6 | ✓ |
Gut zu sehen: Der Score allein sagt nichts. Die 90 auf Platz B (Runde 3) ergibt 18,9, die 90 auf dem schwereren Platz A (Runde 11) nur 16,2 – dieselbe Schlagzahl, ein deutlich besseres Differential. Genau dafür sind Course Rating und Slope da. Den Rechenweg im Detail zeigt Score Differential berechnen.
Schritt 3: Sortieren und die besten 8 nehmen
Alle 20 Differentials aufsteigend sortiert:
13,6 · 14,4 · 15,1 · 15,3 · 16,2 · 17,0 · 17,0 · 17,9 | 18,8 · 18,8 · 18,9 · 19,6 · 19,8 · 20,5 · 20,7 · 21,4 · 21,7 · 22,3 · 23,1 · 24,0
Vor dem Strich stehen die besten 8 – die zwölf Werte dahinter zählen nicht mit. Die schwache 99er-Runde mit dem Differential 24,0 wirkt sich also überhaupt nicht auf den Index aus, solange bessere Runden im Fenster liegen.
Schritt 4: Mittelwert bilden
Die acht besten Werte werden addiert und durch 8 geteilt:
13,6 + 14,4 + 15,1 + 15,3 + 16,2 + 17,0 + 17,0 + 17,9 = 126,5
126,5 / 8 = 15,8125 → Handicap-Index 15,8
Der Index wird auf eine Nachkommastelle geführt – warum das so ist, steht in Handicap mit Nachkommastelle.
Schritt 5: Vom Index zur Spielvorgabe
Der Index ist plattformunabhängig. Was du am ersten Abschlag brauchst, ist die Spielvorgabe für genau diesen Platz und Abschlag:
Course Handicap = Runden(Index × Slope / 113 + (Course Rating − Par))
Für unseren Spieler auf Platz A: 15,8 × 130 / 113 = 18,18, dazu (71,4 − 72) = −0,6, macht 17,58 → gerundet Spielvorgabe 18. Auf einem anderen Platz kommt eine andere Zahl heraus, obwohl der Index derselbe bleibt – siehe Course Handicap vs. Handicap-Index. Beide Werte rechnet dir der Handicap-Rechner aus deinen Runden aus.
Was beim 21. Score passiert
Das Fenster wandert: Kommt eine neue Runde dazu, fällt die älteste heraus. Unser Spieler spielt auf Platz B eine 86 – Differential (86 − 69,8) × 113 / 121 = 15,1. Dafür verschwindet Runde 1 mit 20,5 aus dem Fenster. Die 20,5 war ohnehin nicht unter den besten 8, geändert hat sich der Index trotzdem: Die neue 15,1 rutscht in die besten 8 und verdrängt dort die 17,9.
13,6 + 14,4 + 15,1 + 15,1 + 15,3 + 16,2 + 17,0 + 17,0 = 123,7 → 123,7 / 8 = 15,4625 → Index 15,5
Aus 15,8 wird also 15,5. Umgekehrt kann der Index auch steigen, wenn eine sehr gute Runde hinten aus dem Fenster fällt – der Fall steht in Kann sich das Handicap verschlechtern?.
Und wenn noch keine 20 Runden vorliegen?
Dann wird nicht mit 8 aus 20 gerechnet, sondern mit weniger Werten – je nach Anzahl der vorliegenden Runden. Welche Staffelung dabei greift und ab wann das volle 20er-Fenster gilt, behandelt Wie viele Runden braucht man für ein Handicap?.
Hinweis: Diese Rechnung ist inoffiziell und dient der Veranschaulichung. Verbindlich für dein Handicap ist die Führung durch deinen Heimatclub bzw. den DGV.
Eigene Runden eintragen und rechnen →
Häufige Fragen
Wie berechnet man das Handicap aus 20 Runden?
Für jede Runde ein Score Differential rechnen: (Score − Course Rating) × 113 / Slope, auf eine Nachkommastelle gerundet. Dann die 20 Werte aufsteigend sortieren, die acht niedrigsten addieren und durch 8 teilen. Das Ergebnis ist der Handicap-Index.
Warum zählen nur die besten 8 Runden?
Der Index soll das Potenzial abbilden, nicht den Durchschnitt. Deshalb gehen nur die acht besten der letzten 20 Differentials ein – schwache Runden bleiben im Fenster, wirken sich aber nicht auf den Index aus, solange bessere Werte vorhanden sind.
Was passiert mit der ältesten Runde, wenn eine neue dazukommt?
Sie fällt aus dem 20er-Fenster. Der Index ändert sich nur dann, wenn dadurch die Zusammensetzung der besten 8 wechselt – etwa weil die neue Runde besser ist als der bisher achtbeste Wert.